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BalkanPride - LGBT Fotoausstellung in Plovdiv

Verantwortlicher Autor: Helge Lindau Plovdiv/Bulgarien, 14.07.2019, 10:04 Uhr
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Svetlana Kuyumdzhieva - BalkanPride
Svetlana Kuyumdzhieva - BalkanPride  Bild: Helge Lindau

Plovdiv/Bulgarien [ENA] Die europäische Kulturhauptstadt 2019, begeistert mit einer sehenswerten Fotoausstellung. Vor einigen Jahren im erzkonservativen Bulgarien noch unvorstellbar, macht es nun die exponierte Stellung der Stadt möglich, eine Fotoausstellung über die Geschichte der LGBT-Bewegung auf dem Balkan zu zeigen.

Im Stammhaus der Stiftung „Plovdiv 2019“ wird seit dem 5. Juli die Ausstellung BalkanPride gezeigt. Auf etwa 30, teils großformatigen Farbfotografien, einigen Grafiken und einem dokumentarischen Videofilm erfährt man jede Menge über die Geschichte der LGBT Bewegung von Zagreb über Novi Sad bis Sofia. Diese Bewegung musste in den Balkanländern einen besonders schweren Kampf führen, um in der Gesellschaft anerkannt zu werden. In der Mehrheitsgesellschaft gab es schlicht nur das eine, von den Religionen vorgegebene Familienbild. Wer sich diesem Bild widersetzte oder es in Frage stellte, wurde nicht selten aus der Gesellschaft ausgeschlossen.

Auch im Vorfeld der jetzigen Ausstellung in Plovdiv, gab es jede Menge Widerstand von rechtskonservativen Kräften, die dieses Event, das im Rahmen der europäischen Kulturhauptstadt stattfindet, verhindern wollten. Svetlana Kuyumdzhieva, künstlerische Leiterin des Festivals (Bild oben), befürchtete rechte Übergriffe während der Eröffnungsveranstaltung. „Aus diesem Grund habe wir Polizeischutz angefordert und zudem einen privaten Sicherheitsdienst beauftragt, die Eröffnung der Ausstellung zu schützen.“, so Frau Kuyumdzhieva. Tatsächlich fand sich zur Eröffnung nur eine Handvoll Gegendemonstranten ein, die gegenüber des Gebäudes mit Transparenten auf sich aufmerksam- und gegen die Ausstellung Stimmung machten.

Zwar steht diese Ausstellung unter dem Schirm der Stiftung „Plovdiv 2019“ und befindet sich auch in deren Hauptsitz in der Ekzarh Yosif Straße, doch kuratiert wird sie von der Gruppe „Fuse“. Diese Gruppe hat es sich zum Ziel gesetzt, die Integration von verschiedenen sozialen Gruppen, ethnischen Minderheiten und unterschiedlicher Generation voranzutreiben. Sie will die Gesellschaft zusammenführen und Grenzen zwischen den verschiedenen Gruppen überwinden helfen.

Es gab bisher in Plovdiv noch keine LGBT-Demo, doch dafür hat sie in Sofia, der Hauptstadt Bulgariens, schon eine über 10 jährige Tradition. Viele Menschen aus Plovdiv fahren zu diesem Anlass dorthin. „Bei den letzten Demos in Sofia, waren es locken über 20.000 Leute aus dem ganzen Land, die dort auf der Straße waren. Betroffene wie Unterstützer.“, erklärt Victor Yankov, stellvertretender Leiter der Stiftung. In einem Abschnitt der Ausstellung werden auch Fotos gezeigt, die Übergriffe von rechtsradikalen Gruppen auf die Demonstrationszüge in den verschiedenen Balkanstädten dokumentieren.

„In Matera, der anderen diesjährigen Kulturhauptstadt soll es auch noch eine LGBT-Demo geben.“, ergänzt Herr Yankov. Zudem ist in Novi Sad, der europäischen Kulturhauptstadt des Jahres 2021, aus diesem Anlass eine LGBT-Demo namens ‚Pride for Culture‘ geplant. Doch die jetzige Ausstellung in Plovdiv hat ein Zeichen gesetzt. Ein mutiges und engagiertes Event für eine Zukunft mit mehr Toleranz. „Und vielleicht haben wir dann ja nächstes Jahr hier in Plovdiv unseren ersten Christopher-Street-Day.“, fügt Yankov augenzwinkernd hinzu.

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